Homöopathie
Den Sprung ins Wasser wagen
Die Homöopathie hat in den letzten Jahren als alternative Heilmethode deutlich an Beliebtheit gewonnen. Vor allem Eltern bevorzugen für ihre Kinder oft die Behandlung mit homöopathischen Mitteln anstelle von Präparaten mit chemischen Wirkstoffen. Aber eignet sich die Homöopathie tatsächlich besser zur Therapie von Kindern als die Schulmedizin? Dr. Mirko Berger, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Hamburg, erklärt, warum Kinder ganz spezielle Patienten sind.
gesine: Was macht Kinder zu besonderen Patienten?
Dr. Mirko Berger: Ein junger Organismus, wie der eines Kindes, ist empfindlicher als ein ausgewachsener. Deshalb wünschen sich Eltern oft eine sanfte Alternative zur Schulmedizin. Dazu kommt, dass viele herkömmliche Medikamente für Kinder gar nicht zugelassen sind und doch werden sie oft verschrieben – zwar mit angepasster Dosierung, aber dennoch keine Kinderarzneimittel. Das ist so, weil vielen Herstellern die klinischen Prüfungen bei Kindern und Jugendlichen zu aufwändig sind. Aber Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen, und so muss man auch mit ihnen umgehen.
Auf welche Weise wird die Homöopathie dem Kind als besonderer Patient gerecht?
Da gibt es verschiedene Wege: Denn die Homöopathie ist eine sehr sanfte Heilmethode, die in der Regel auch bei einem kindlichen Organismus keine störenden Wirkungen oder Nebenwirkungen hervorruft. Dazu kommt, dass die Reaktionsfreudigkeit auf homöopathische Reize bei Kindern und Jugendlichen besonders intensiv ist. Und der dritte Punkt ist eigentlich ganz banal: Die meisten Kinderkrankheiten sind Virusinfektionen, bei denen Antibiotika nicht helfen. 80 Prozent aller Atemwegsinfekte sind beispielsweise viral. Da bietet sich die Behandlung mit homöopathischen Mitteln einfach an.
Spricht jedes Kind auf die Behandlung mit homöopathischen Mitteln an?
Grundsätzlich kann man sagen: Wenn es das richtige Mittel ist, spricht tatsächlich jedes Kind auf homöopathische Mittel an. Das trifft aber für alle Patienten zu. Die Homöopathie ist eine individuelle Heilmethode, bei der es gilt, die Symptome richtig zu analysieren. Das kann man bei weniger schweren oder akuten Erkrankungen selbst machen. Bei schweren, chronischen oder lang andauernden Krankheiten sollte man aber einen Arzt hinzuziehen. Da rate ich von einer Selbstmedikation ab – nicht aber von der Homöopathie, das ist mir wichtig. Gerade bei schweren Erkrankungen ist die Homöopathie die optimale Heilmethode: Sie unterdrückt nicht die Symptome, sondern bekämpft die Wurzel der Krankheit.
Gibt es eine Faustregel, wann man zum Homöopathie-Fachmann gehen sollte?
Im Grunde immer dann, wenn man sich Sorgen macht. Wenn die Symptome nicht schwächer werden oder wenn das Kind nicht auf die Mittel reagiert, die man gibt, sollte man einen Arzt zu Rate ziehen.
Zweifler sagen, die Homöopathie wirkt nur, wenn man daran glaubt. Was entgegnen Sie ihnen?
Eine Heilmethode überlebt nicht 200 Jahre, wenn Sie unwirksam ist. Das vergessen viele. Zahlreiche Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie belegen das. Aber Skeptiker überzeugt man nicht mit langen Diskussionen. Erst wenn sie die Heilkraft der Homöopathie am eigenen Leib erfahren haben, rücken die meisten von ihren Zweifeln ab. Man muss nicht an Wasser glauben, aber man muss hineinspringen, um nass zu werden. Man muss es einfach ausprobieren.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Berger.
Dr. Mirko Berger ist Facharzt für Allgemeinmedizin und für Anästhesie, mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie. Er führt in Hamburg eine Praxis mit Schwerpunkt Homöopathie.



